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Die CDs des Jahres 2009.

Höchste Zeit, mit dem Musikjahr 2009 abzurechnen. Darum hier kurz und schmerzlos meine 10 Platten des Jahres:

  1. Gossip: Music for men
    Mit seinem letzten Album «Standing in the way of control» (und den Remixes des gleichnamigen Hits von Soulwax sowie des Überkrachers «Listen up!») hatte das Trio den Schritt aus der Garage zur emanzipierten Rockpopband voll- und die Tanzflächen zum Brodeln gebracht. Nun hat es Starproduzent Rick Rubin noch ein wenig schärfer gefeilt und seine aktuellen Stärken voll ausgespielt: Discobass, schneidende Gitarren, trockenes Schlagzeug, Keyboardriffs und die Stimme von Pfundsfrau Beth Ditto, die über viel Soul verfügt, ohne Soul zu sein. Und der Riesenhit «Heavy cross» ist noch bei Weitem nicht der beste Song (man höre «Love long distance» oder «Four letter word»). To be continued… please!
  2. Noisettes: Wild young hearts
    Das Londoner Trio sprengt sämtliche Grenzen von Pop, Soul und Indierock. Und verfügt mit seinem Pulverfass von Sängerin – Shingai Shoniva – über einen äusserst charmanten Mittelpunkt auf der Bühne. Deren Stimme erinnert in ruhigen Momenten an Billie Holiday oder wie in «Never forget you» auch schon mal an Amy Winehouse. Dazwischen wird aber auch zünftig gerockt («So complicated») oder auf 80er- und Elektro-Party gemacht («Saturday night»). Ich raufe mir immer noch die Haare, weil ich den (offenbar fantastischen) Gratis-Auftritt (!!!) im Jazz Café des letztjährigen Montreux Jazz Festival verpasst habe.
  3. Muse: The Resistance
    Das fünfte Werk der britischen Muse setzt da an, wo der Vorgänger «Black holes and revelations» aufgehört hat: Sänger Matthew Bellamy, Bassist Christopher Wolstenholme und Schlagzeuger Dominic Howard treiben ihre clevere Mischung aus Alternative-Rock, New Prog, Electronica und Art-Rock auf die Spitze, und zwar mit dem bandtypischen Bombast. Man spürt in dieser Rock-Oper förmlich den Geist von Queen umherwandeln (im Gegensatz zu dem, was seine ehemaligen Bandkollegen in den letzten Jahren abgeliefert haben, dürfte sich Freddie-selig hierbei nicht einmal im Grab umdrehen müssen…). Damit haben sie (endlich und wohl endgültig) auch mir den Ärmel reingezogen – ich freue mich riesig auf das Konzert im Berner Wankdorf.
  4. WhoMadeWho: The Plot
    Völlig abgefahrener, tanzbarer Mix aus 60er Psychedelic Rock, 70er Disco, 80er Synthie-Pop und 90er Electronica des skandinavischen Trios (siehe auch Wellness für urbane Nachtschwarmer). Diese Rundumversorgung aus der punkfunkigen Neo-Disco-Ecke ist ein Wohlfühlpaket für den urbanen Nachtschwärmer, das noch lange für viel Freude sorgen dürfte. Hoffentlich auch schon bald wieder live in der Schweiz zu erleben…
  5. Ladyhawke: dito
    Obwohl bereits im Jahre 2008 erschienen, habe ich die Neuseeländerin erst 2009 entdeckt (shame on me…). Dann liefen mir ihre beiden Heuler «Paris is burning» (die Hilton oder die Stadt? Hmm…) und «My delirium» aber gleich wochenlang nach – Ladyhawke schafft es deshalb stellvertretend für all die neuen 80ies-Indie-Electro-Pop-Girlies wie La Roux, Little Boots oder Paloma Faith in meine Top Ten.
  6. Editors: In this light & on this evening
    80er-Synthie-Sound statt Gruftie-Gitarren,
    produziert von Flood: Die Editors liefern auf ihrem dritten Album gleich reihenweise Hymnen des Retro-New-Wave ab. Und Tom Smiths grandiose Stimme begleitet stoische Synthesizers, pochende Beats und melancholische Melodien. Eine vielversprechende Weiterentwicklung, wo man Blade-Runner-Soundtrack, Depeche Mode, New Order und/oder Ultravox raushören kann. Abends, im richtigen Licht…
  7. Mastodon: Crack the skye
    Lass dich in die Unendlichkeit des Universums schiessen! Die Metall-Progressoren aus Atlanta/Georgia haben mit ihrem fünften Album den Olymp (ihres Genres) erreicht. Wie andere vor ihnen (z.B. QOTSA mit «Lullabies to paralyze» oder Muse mit «Black holes and revelations») hat es diese unglaublich talentierte Band mit den irrwitzigen Ideen und dem grandiosen Spielvermögen geschafft, ihr Können auf diesem Konzeptalbum zum Thema «Luft» auf den Punkt zu bringen. Ihre explosive Mischung aus Progrock und Metal mit Hang zu längeren Instrumentalpassagen begeistert je länger je mehr Anhänger harter Musik. Und welch ein Konzert am 5. Februar 2010 im FriSon… Boah! Psychedelische Animationen mit Motiven des CD-Booklets im Hintergrund, das nukleare Trommelfeuer, wo es Gitarrenriffs regnet, im Zentrum und vorne eine Lautstärke, dass einem die Ohren flattern. Aber man höre (und staune): alles in 1A-Soundqualität abgemischt. Eine Offenbarung!
  8. Pearl Jam: Backspacer
    Dass Pearl Jam eine fantastische Liveband sind, ist hinlänglich bekannt (ich erinnere mich nur zu gerne an 2006, wo Pearl Jam der miserablen Soundqualität in der Berner Allmend trotzten, ein begeisterndes Konzert hinlegten und am Schluss einen zweiten Zugabenblock bei Volllicht zum Besten gaben!). Dass sie aber auch auf einem Album nochmals zu Hochform auflaufen, hätte ich mir nicht träumen lassen: nach den letzten eher verkrampft wirkenden Werken wuchsen die neuen Songs (u.a. «Got some», «The fixer» oder «Just breathe», das auch von Eddie Vedders tollem Soundtrack zum Film «Into the wild» stammen könnte) langsam aber stetig in den Himmel, und tun dies noch. Pearl Jam machen und haben endlich wieder Spass!
  9. Eskimo Joe: Inshalla
    Seit ihrem Debüt-Album «Girl» sind Eskimo Joe die Helden der australischen Indie-Szene. Die Folge war der Durchbruch mit dem nächsten Album und Topplatzierungen in den australischen Charts. Mit dem inzwischen vierten Album «Inshalla» dürften nun auch Europa und die Schweiz erobert werden. Eskimo Joe spielten am Gurtenfestival und gaben ihre einzige Schweizer Clubshow im Bierhübeli. Immer wieder erfrischend zu sehen (und zu hören), wie australische Bands – gestählt von Hunderten von Gigs in den dortigen Pubs – auf der Bühne richtige Musik von richtigen Musikern in sympathischer Art und Weise rüberbringen.
  10. Empire Of The Sun: Walking on a dream
    Für mich DAS Pop-Album des Jahres: Ozeanfrisches Gute-Laune-Feeling verströmend erinnert das Duo mit seinen sphärischen Klängen an die Indie-Lieblinge des letzten Jahres: MGMT. Und mit der Mid-Tempo-Nummer «We Are the People» haben die australischen Freibeuter intakte Chancen auf den Lagerfeuerhit 2009. Tolle sonnengetränkte Synthie-Popsongs wie von einem anderen Stern. Ein gasförmiger Killer!

Die Qual der Wahl… Natürlich hätten auch andere eine Platzierung in diesen CDs des Jahres verdient gehabt. Vor allem in den Bereichen Hard & Heavy (Wolfmother, Alice in Chains, Them Crooked Vultures, The Dead Weather, Baroness etc.), Indie (The Heavy, Biffy Clyro, Phoenix, Hockey, Thrice, Dredg, Florence & the Machine etc.), New Wave (The XX, White Lies, Glasvegas etc.), Electronica (DJ T, Simian Mobile Disco, Das Pop, Passion Pit etc.) und Pop/Rock (Bruce Springsteen, Antony & the Johnsons, The Temper Trap, Soap & Skin etc.) gab es zahlreiche heisse Anwärter auf die 10 begehrten Plätze an der Sonne.

Und natürlich gab es auch dieses Jahr grosse Hypes, die ich nicht ganz (oder überhaupt nicht) nachvollziehen konnte (z.B. Grizzly Bear, Animal Collective oder Mumford & Sons) und die mich entsprechend kalt liessen.

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6 Comments

  • Reply jj

    Warm reminder! He, he, he…

    3. Januar 2011 at 21:46
  • Reply jj

    Feine Klinge, Musketier!
    In meinen Top Ten wären ganz klar Mastodon, Pearl Jam, Muse und Gossip auch gewesen, nach dem überirdischen Konzert im Fri-Son hätten sich Mastodon sogar die Krone gesichert! Aber das 2009 hatte so viel gute Musik zu bieten, da fällt uns schon noch was ein:

    jj’s CDs 2009:

    1. Poison The Well – The Tropic Rot
    Die Jungs aus Florida definieren für mich den Hardcore neu: Geschrei, dass du vom Stuhl fällst und im nächsten Moment die ergreifendsten Gesangsharmonien und Gitarrensteilwände. Dahinter eine Rhythmus-Sektion zum Niederknien und vor allem der beste Schlagzeuger des Jahres!

    2. Thrice – Beggars
    Thrice vereinen nach ihren 2 teils sehr verspielten «Alchemy Index» Doppelalben ihr ganzes Können auf «Beggars». Spitzen-Songwriting, warme Melancholie gepaart mit geradliniger Rockigkeit, intelligente Texte und die Über-Stimme von Dustin Kensrue, die in jedem den Surfer weckt: Abenteuer und Reiselust, was gibt’s Schöneres von einer Scheibe zu erwarten?

    3. The Ghost Of A Thousand – New Hopes, New Demonstrations
    Ganz klar die atemberaubendste Kollektion von 3-Minuten-Songs des letzten Jahres, so schön geradeaus hardcore-punk-gerockt hat sonst niemand, wie die Band aus England, und der Mann am Mikrophon (Thomas Lacey) kann schreien wie kein Zweiter! It’s only Rock’n Roll!

    4. Dredg – The Pariah, The Parrot, The Delusion
    Das Album ist bei der Kritik ziemlich durchgefallen, dabei haben Dredg sich nur dem Pop geöffnet und den Rock für ein Konzeptalbum der Sonderklasse etwas zurückgenommen. Gavin Hayes singt immer noch wie ein kleiner Gott und live ist die Truppe aus San Francisco (Konzert im Kaufleuten) übrigens der Hammer!

    5. Biffy Clyro – Only Revolutions
    Auch diese 3 Schotten haben sich den etwas poppigeren Melodien geöffnet, aber wie! Wer so mühelos alternativen Rock und orchestralen Pop vermischt und dies dann noch live im Mascotte rotzig-frech und ziemlich souverän rüberbringt, hat die Top Ten klar verdient.

    6. From Monument to Masses – On Little Known Frequencies
    Das Trio aus Kalifornien beweist, dass man keinen Sänger braucht, um grosse Musik zu machen. Der Mix aus Prog und Postrock, gespickt mit jazzigen Elementen besticht durch Spielfreude, frischen Sound und technischer Brillanz. Wenn man Mastodon nicht als Prog bezeichnet, ganz klar das Prog-Album des Jahres!

    7. The Trail of Dead – The Century Of Self
    Rückkehr zu den Wurzeln: nach dem melodiös-glatten «So Divided» packen die Texaner unter Mastermind Conrad Keely wieder den wilden, mit Gitarrenwänden und doppeltem Schlagzeug versetzten aber trotzdem eingängigen Indie-Rock ihrer frühen Tage hervor: mitreissend!

    8. Mumford & Sons – Sigh No More
    Oh ja, diesen Hype mache ich gerne mit! Wer so jung ein solch wunderbares, altmodisches und gleichzeitig frisches Folk-Debutalbum hinlegt, hat den Hype verdient. Freu mich aufs Konzert in der Roten Fabrik.

    9. Wintersleep – Welcome To The Night Sky
    So muss eine Indie-Platte klingen: warmer Gitarrensound, voll schöner Melancholie, ab und zu ein wenig Dreck und dann natürlich eine Stimme, die Dich vollends packt. Diese Scheibe der Kanadier Wintersleep, schon im 2007 erschienen, in Europa erst in 2009 releast ist so eine Schönheit, die mit jedem Hören wächst!

    10. Portugal. The Man – The Satanic Satanist
    Da sind sie wieder, meine Lieblings-Alaskaner: mit erfrischender, jährlicher Regelmässigkeit beehren sie uns mit neuen Alben und Tour-Daten durch Europa, und lassen glücklicherweise die Schweiz nicht links liegen. Das kleine, feine Open-Air in der Roten Fabrik und die neue Scheibe hatten alles, was diese Band zu bieten hat: Groove, Rhythmus, Witz, gute Laune und verdammt viel gute Musik.

    Noch ein Wort zu «Them Crooded Vultures»: ein gutes, ja ein sehr gutes Album, das mit jedem Hören ein wenig besser wurde. Wer aber die Songwriting-Qualitäten eines Josh Homme und die Schlagzeug-Power eines Dave Grohl im Studio vereint und zusätzlich auf John Paul Jones am Bass zählen kann und dann die Handbremse eines extrem spröden Albumkonzepts bis auf 2 Ausnahmen (Scumbag Blues, Spinning in Daffodils) nie loslässt, hat die Top Ten nicht verdient.
    Habe fertig!

    14. März 2010 at 16:19
    • Reply Sandro

      @jj, welch eine Replik! Du alter Schwermetaller… bringst du eigentlich auch mal eine Pop-Platte ins Spiel?

      14. März 2010 at 17:12
  • Reply Natischer

    Ich kenn nicht eines der erwähnten Alben genauer. Vielleicht sollte ich mal ebiz weniger bloggen und wieder eine Musikanlage installieren im heimischen Wohnzimmer…?

    28. Februar 2010 at 15:22
  • Reply Dänu

    holà guapo, deine auswahl ist spannend und aufschlussreich wie immer. auf gar keinen fall will ich die selber wählen, kommentieren fägt viel mehr 😉
    von mir aus gesehen hätten natürlich them crooked vultures NIE UND NIMMER fehlen dürfen, nicht mal auf einer top-3 liste, you know! als berner hast du sodann ein schweres vergehen begangen, weder filewile noch wurzel5 oder kutti mc in deine liste aufzunehmen. jä, ist halt schon schwierig, und hast es dir ja offenbar auch nicht einfach gemacht.
    hey, zum schluss, habe mich sehr gefreut whomadewho auf der liste zu finden, da bin ich ganz bei dir :-))
    alles liebe
    dänu

    23. Februar 2010 at 19:36
    • Reply Sandro

      @Dänu, du kannst es dir ja sicherlich denken, dass es Hip-Hopper kaum jemals in meine Top-Ten schaffen werden (egal ob aus Bern oder anderswo). Aber die besten Hip-Hop-Alben dieses Jahrgangs waren eh die, auf denen wenig bis gar nicht gerappt wurde, z.B. Amanda Blank oder Jamie T. Und zu Filewile: Number One Kid finde ich heiss, den Rest eher weniger…

      14. März 2010 at 17:06

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