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Die CDs des Jahres 2011.

Hier sind sie wieder – pünktlich zum Jahresende – meine 10 Lieblingsalben des Jahres 2011.

  1. Rival Sons: Pressure & Time
    Von den Rival Sons und ihren Live-Qualitäten habe ich ja schon genügend geschwärmt (siehe «Rival Sons rocken das Plaza.»). Kein Wunder, dass die Herren aus Kalifornien auch bei der Wahl der CDs des Jahres ganz vorne mitspielen: keine andere Band hat mir 2011 mehr Spass bereitet. Wetten, dass man sie im Sommer auf hiesigen Festival-Bühnen wiedersehen wird?
    Anspieltipps: All Over The Road, Pressure And Time, Burn Down Los Angeles.
    Clip: Pressure And Time.
  2. Charles Bradley: No Time For Dreaming
    Das grosse Soul-Revival ging auch 2011 weiter (siehe «Die CDs des Jahres 2010.»). Und Charles Bradley mag wohl der grösste Soul-Sänger sein, von dem bisher niemand etwas gehört hat. Aber im Alter von 62 Jahren ist seine Zeit definitiv gekommen!
    Anspieltipps: The World (Is Going Up In Flames), No Time For Dreaming, Stay Away (Nirvana-Cover als Bonus Track auf der Expanded Edition).
    Clip: The World (Is Going Up In Flames).
  3. The Black Keys: El Camino
    Mit ihrem dreckigen und unwiderstehlich groovendem Blues-Rock ist das Duo aus Nashville in den USA vom Geheimtipp zur ganz grossen Band aufgestiegen, irgendwo zwischen dem Kult-Trash der White Stripes und den Stadion-Hymnen der Kings Of Leon. Mit dem vorliegenden siebten Album – sehr tanzbar von Danger Mouse produziert – sollte dieser Schritt auch in Europa gelingen.
    Anspieltipps: Lonely Boy, Gold On The Ceiling, Sister.
    Clip: Lonely Boy.
  4. Anna Calvi: dito
    Das überzeugende Debütalbum der feurigen Londonerin mit italienischen Wurzeln, die es letztes Jahr (nicht zu Unrecht) in die berühmt-berüchtigte Hotlist der BBC schaffte. Mit ihrem düsteren Groove, morbider Musikalität und Dramatik hat sie schon Nick Cave und Brian Eno beeindruckt. Selbstsicher präsentiert Anna Calvi in zehn Songs ihr Talent als Songwriterin, Gitarristin und Sängerin. Unvergesslich, wie sie im April den proppevollen ONO-Keller erhellte.
    Anspieltipps: Desire, Susanne & I, Blackout.
    Clip: Desire.
  5. Mastodon: The Hunter
    Nach dem überwältigenden Prog-Monster «Crack The Skye» (siehe «Die CDs des Jahres 2009») tritten Mastodon hart auf die Bremse: Weg vom Konzepttheater, hin zu reduzierteren Songs. Epischer und härter waren ihre Songs schon mal. Effektiver noch nie.
    Anspieltipps: Black Tongue, The Curl Of The Burl, All The Heavy Lifting.
    Clip: The Curl Of The Burl.
  6. Foo Fighters: Wasting Light
    Ich war bisher nie ein grosser Fan der Foo Fighters. Doch was die Jungs um den wohl meistbeschäftigten Mann im Rock-Business, Dave Grohl (u.a. Nirvana, QOTSA, Probot, Them Crooked Vultures), hier an harten Riffs und hymnischen Melodien ablieferten ist einfach erste Sahne: Widerstand zwecklos!
    Anspieltipps: Rope, White Limo, Walk.
    Clip: Rope.
  7. Fink: Perfect Darkness
    Wow, welch ein Album! «Selten sind die Momente geworden, in denen einem Musik gleichzeitig den Kopf verdreht, den Atem raubt und das Herz zerreist» schrieb ein bekannter Berner Musikkritiker darüber. Wie Recht er hat. Der englische Singer/Songwriter mit Trip-Hop-Hintergrund schafft das Kunststück jedoch locker.
    Anspieltipps: Perfect Darkness, Yesterday Was Hard On All Of Us, Berlin Sunrise.
    Clip: Perfect Darkness.
  8. Justice: Audio, Video, Disco
    Unberechenbar und eigen waren das visionäre französische Duo Gaspard Augé und Xavier de Rosnay schon immer. Mit dieser CD schlagen die Begründer des Ed-Banger-Sounds nun die Brücke von reinem Dancefloor hin zu Electronic, Rock und Progressive Pop.
    Anspieltipps: Civilization, New Lands, Helix.
    Clip: Civilization.
  9. Stereo MCs: Emperor’s Nightingale
    Anno 1992 veröffentlichten die Stereo MCs ein Album für die Ewigkeit («Connected»). Danach verschwanden sie für zwei Jahrzehnte (fast komplett) in der Versenkung. Jetzt sind sie – mit mehr Gesang als Rap und mehr Elektrop-Pop als Hip-Hop – zurück. Und wie!
    Anspieltipps: Boy (feat. Jamie Cullum), Far Out Feeling, Tales.
    Clip: Far Out Feeling.
  10. Zaz: dito/Sans Tsu Tsou
    Auch dieses Jahr schafft es eine Veröffentlichung vom Vorjahr in meine Top Ten: Isabelle Geffroy ist eine französische Nouvelle-Chanson-Sängerin, die auf Stilmittel des Jazz zurückgreift – aufgrund ihrer ausdrucksstarken und ungewöhnlichen Stimme wird sie in ihrem Heimatland oft mit der Legende Édith Piaf verglichen. Inzwischen präsentierte der Shootingstar ihre erste Live-CD «Sans Tsu Tsou». Da hört man quasi, wie sie auf der Bühne herumhüpft, schwitzt und lacht.
    Anspieltipps: Les Passants, Je Veux, Le Long De La Route.
    Clip: Je Veux.

Zu den «Verlierern» gehören dieses Jahr Pain Of Salvation – eigentlich ein ganz heisser Anwärter auf einen Spitzenplatz – die mich mit dem Nachfolger des letztjährigen Siegers «Road Salt One» leider nicht überzeugen konnten (wo die sakralen Hammond-Momente bei Teil 1 noch Gänsehaut erzeugten, nervte mich auf «Road Salt Two» das Gefiddel mit mittelalterlichen Instrumenten wie Mandolinen und Flöten nur noch).
Oder die US-Band Mona, die mit ihrem mitreissenden Südstaatenrock auf dem besten Weg ist, die Kings of Leon zu übertrumpfen und die frühen U2 endgültig vergessen zu lassen (hört euch mal «Shooting The Moon» an!).
Der Londoner Songwriter und Electro-Komponist James Blake, der spätestens seit seiner gefeierten Version des Leslie-Feist-Songs «Limit To Your Love» in aller Munde war.
Jamie Woon, der englische Dubstep-Sänger, der mit seinem elektronischen Blues auf «Mirrorwriting» den Durchbruch schaffte.
Die junge holländische Sängerin Caro Emerald, die mit ihrem faszinierenden Retrostil zwischen Jazz, Swing, Chansons und südamerikanischen Rhythmen, unterlegt mit modernen Beats und Bässen, einen unglaublichen Siegeszug in Europa antrat.
Und das Deutsch-Schweizerische Duo Boy, das mit seiner Single «Little Numbers» inzwischen auch in den Staaten für Furore sorgt.
Ja, selbst Adele mit ihrem fantastischen «21» hatte hier das Nachsehen und schaffte es nicht in meine Top Ten.

Kommentieren, motzen und ergänzen ist – imfall – erlaubt und erwünscht. Ich bin gespannt auf eure Favoriten.

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4 Comments

  • Reply Alojamiento

    Dieses Jahr finden sich immerhin acht Musikerinnen in unseren Charts, ohne dass wir da vorher gro? drauf geachtet hatten. Eine ziemlich coole Englanderin hat sich sogar unter die Top 5 gemischt.

    1. Juni 2016 at 0:16
  • Reply jj

    Hey Säna, schöne Liste!
    Mastodon, Foo Fighters, Black Keys und Rival Sons wären bei mir auch gesetzt gewesen. Und nachdem sich zwei meiner absoluten Lieblingsbands 2011 in die Bedeutungslosigkeit der seicht-säusligen Pop-Unterhaltung gespielt haben (Incubus und vor allem Dredg, mein Gott), musste ich für adäquaten Nachschub sorgen:

    jjs CDs 2011:

    1. Thrice – Major / Minor

    Schon der Vorgänger war gross, aber Major / Minor ist eine Nummer für sich und meine meist gehörte Scheibe im 2011. Geniales Songwriting gepaart mit feinstem Können an allen Instrumenten, Dustin Kensrue’s Wunder-Stimme und das Ganze erst noch supersatt produziert: Hardcore im besten Sinne des Wortes! Aufhören wenn’s am schönsten ist? Leider! Thrice haben sich wie meine letztjährige Nr. 1 Oceansize mittlerweile aufgelöst. Ich bin traurig.

    2. And They Will Know Us By The Trail Of Dead – Tao Of The Dead

    Was für ein mitreissender Strom aus musikalischer Genialität! Den Jungs aus Austin gehen die Ideen nie aus und hier feiern sie ihren virtuosen Progrock in 53 Minuten mit einem genialen Konzeptalbum. Sprudelnd, wild, abgefahren und einnehmend. Zudem bewiesen sie im Plaza zu Zürich, dass sie nach wie vor eine der geilsten Livebands sind (und danach echte Nehmerqualitäten im Tequila-Trinken).

    3. Amplifier – The Octopus

    Konsequent im Konzept und in der Umsetzung, zwei volle Stunden eine abgespacte Prog-Hymne nach der anderen, die Bässe wummern, die Gitarrenwände lassen keine Gegenwehr zu. Zu keinem Album liess es sich in 2011 so wunderschön abdriften wie zu dem Kraken der drei Mannen aus Manchester. Und dann das Hammerkonzert im ISC! Und nein, Sänä, die brauchen keinen neuen Sänger…;-)!

    4. City and Colour – Little Hell

    Ja, der jj kann auch sanft! Der Sänger von Alexisonfire Dallas Green hat mit seinem Nebenprojekt ein echtes Indie-Juwel aus dem Ärmel geschüttelt. Wunderbare Melodien, fein instrumentiert, ganz grosse Stimme, ein Album, das hängen bleibt und richtig gute Laune verbreitet.

    5. Manchester Orchestra – Simple Math

    Beim Debut hab ich diese Jungs aus Atlanta irgendwie verpasst, mit ihrem Zweitling haben sie mich voll gepackt. Die Mischung aus geradem Rock und orchestralem Pop gelingt ihnen mühelos und eingängig. Über allem steht die wunderbare Stimme von Leader Andy Hull, die dich emotional mitreisst und nicht mehr los lässt.

    6. Cloud Control – Bliss Release

    Das beste Debut des Jahres. Die Australier Cloud Control haben ein Album mit lauter Indie-Ohrwürmern geschaffen und bezaubern mit ihrem psychedelisch-folkigen Sound und vor allem ihrem meist zweistimmigen superben Männer/Frauen-Gesang. Hollow Drums ist der schönste Song des Jahres. Awakes the hippie in you!

    7. Red Fang – Murder The Mountains

    Bier her und die Amps an! Nein, noch meeeehr Bier! Alleine das geniale Video zu Wires ist Top10-würdig. Und dann dieses Über-Break nach 4:50 in Throw Up! Die bärtigste, sympathischste und biervernichtendste Truppe des Jahres. Und ganz nebenbei hauen sie auf Murder The Mountains ein nettes Stoner-Riff nach dem anderen aus den Hüften.

    8. La Dispute – Wildlife

    Also den Hardcore haben sie bestimmt nicht neu erfunden, aber eine verdammt gute Platte gemacht schon. Don’t believe the hype? Egal, die blutjungen Bubis aus Michigan begeistern mit trockenem und ansteckendem Hardcore und wie Sänger Jonathan Dreyer seine Geschichten aus dem ganz normalen Wahnsinn des Alltags erzählt (oder besser rausschreit) ist schon eine Nummer für sich.

    9. Cave In – White Silence

    Ein gewaltiger Brocken von einem Album, zu Beginn Metalcore von der gröberen Sorte, die dann im zweiten Teil des Albums zugunsten von progig-spacigen Einflüssen eine Stufe zurückfährt. Extrem abwechslungsreich und hochenergetisch, ein geniales Stück Krach!

    10. Russian Circles – Empros

    Im Genre Postrock kann diesen drei Jungs aus Chicago einmal mehr keiner das Wasser reichen. Es rockt, es rollt, es kesselt und es trommelt, dass es eine wahre Freude ist. Eine herrliche Achterbahnfahrt, die trotz Fehlen jeglichen Gesangs nie langweilt und wunderbar abgeht.

    Das wär’s, freu mich schon auf’s nächste Mal!

    18. Februar 2012 at 17:39
    • Reply Sandro

      Hi jj, herzlichen Dank für deine Liste, coole Mucke. Thrice, Red Fang, Incubus und Dredg habens bei mir zwar nicht in die Top Ten, aber (trotz Pop-Appeal) in meine jährlichen sansibar-Hits geschafft. Und Manchester Orchestra konnten mich inzwischen auch begeistern – wunderbares Album und Titelsong!
      Und dann muss ich noch 2 Nachträge machen:
      Da bereits 2010 erschienen, fielen Taddy Porter mit ihrem Debut bei mir aus den Traktanden. Völlig zu Unrecht, die müssen sich mit ihrem Classic Rock à la Rolling Stones, Black Crowes und/oder Jet auch vor den Rival Sons nicht verstecken und liefen bei mir auf Heavy Rotation. Check it out: http://youtu.be/mxQzIPrNapo.
      Spät im 2011 erschien Nachschub von Dänemarks finest in Rock: DIC.NII.LAN.DAFT.ERD.ARK. von D-A-D. Bereits seit Ende 80-iger Jahre unterwegs, wehren sie sich stoisch gegen jedwede Veränderung ihrer einmal entwickelten Stilmittel an der Schnittstelle zwischen traditionellem Rock’n’Roll, Metal, Punk und Country (und nehmen sich selbst trotzdem nicht allzu ernst, wie dieses aktuelle Video beweist: http://youtu.be/riHdzZ5_K6U). Sackstarkes Album mit massenhaft launigen Songs, das ich mir gerne auch mal Live zur Brust nehmen möchte.

      14. April 2012 at 14:21
  • Reply Sibylle

    Bei mir wäre Jamie Woon Listenanführer. Schön, dass er doch noch Erwähnung fand bei dir. Mit Anna Calvi und ZAZ sind natürlich auch meine Favoriten gewürdigt.

    30. Dezember 2011 at 9:57
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