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Die CDs des Jahres 2012.

Fast, aber nur fast wäre mein 2012 ein Schweizer Jahr in der Musik geworden. Nachdem aber Stephan Eichers «L’Envolée» im Vergleich zur grandiosen Single «Le Sourire» doch etwas abfiel und mich Züri West insbesondere mit der lahmen Live-Umsetzung von «Göteborg» nicht zu überzeugen vermochten, blieb als strahlende Siegerin einzig die wunderbare Sophie Hunger übrig.

  1. Sophie Hunger: The Danger Of Light
    Meine Güte, Sophie, wo soll das noch hinführen? Ich bin (einmal mehr) überwältigt von deiner eigenwilligen Mischung aus Jazz, Folk-Pop, Indie-Rock und Chanson, deine Texte berühren mich zutiefst. Ein (Doppel-) Album zum richtig Zuhören! Dabei hast Du noch nicht mal deine besten Songs draufgepackt… Zum Glück durfte ich «Speech», das immer noch einer offiziellen Aufnahme harrt, am fantastischen Konzert vom 14.12. im Kaufleuten als letzte Zugabe geniessen. Tipp: unbedingt die Deluxe Edition mit ganzen 6 Bonus Tracks zulegen.
    Anspieltipps: Souldier, Can You See Me?, My Oh My II.
  2. Chromatics: Kill For Love
    Mastermind, Produzent und DJ Johnny Jewel führt seine Chromatics aus dem Indie-Club direkt in die Italo-Disco, wo die Kugel heller denn je strahlt. In Watte gepackt schwebt man davon… Ein Monolith von einem Album, das mit jedem Mal hören noch besser wird!
    Anspieltipps: Into The Black, Back From The Grave, These Streets Will Never Look The Same.
  3. Vintage Trouble: The Bomb Shelter Sessions
    Dem Charme dieser kalifornischen Band muss man einfach erliegen. Unvergessen der fantastische, fast 2 1/2 Stunden lange Auftritt anlässlich der Late Night Show des Blue Balls Festivals im letzten Sommer. Und auch auf CD animiert der bodenständige Rock’n’Roll mit einer grossen Portion Soul und Blues zum Mittanzen.
    Anspieltipps: Blues Hand Me Down, You Better Believe It, Nobody Told Me.
  4. D-A-D: DIC.NII.LAN.DAFT.ERD.ARK
    Spät im 2011 kamen die alten Dänen mit dieser knackigen Sammlung launiger Hymnen an der Schnittstelle zwischen Rock’n’Roll, Metal, Punk und Country daher, die sich seither hartnäckig auf meinem iPhone behauptet. Ein untrügliches Zeichen für eine CD des Jahres!
    Anspieltipps: I Want What She’s Got, Breaking Them Heart By Heart, Drag Me To The Curb.
  5. Baroness: Yellow/Green
    Ist das noch Metal? Wie damals bei Metallicas «Black Album» war der Aufschrei unter Puristen gross, als John Baizley und seine Mannen dieses epische Doppelalbum veröffentlichten: Von Abkehr vom Metal und Ausverkauf war die Rede. Dabei haben Baroness nichts anderes getan, als ihr immenses Potenzial perfekt in dieses (bisherige) Meisterwerk zu giessen.
    Anspieltipps: Take My Bones Away, March To The Sea, Eula.
  6. Graveyard: Lights Out
    Das haarige schwedische Quartett hat am Erfolgsrezept seines Zweitlings «Hisingen Blues» (zum Glück) nichts geändert und präsentiert auf dem Nachfolger erneut seine fulminante Mischung aus Hard-, Blues- und Psychedelic-Rock.
    Anspieltipps: Endless Night, Hard Times Lovin‘, Goliath.
  7. Rival Sons: Head Down
    Die Rival Sons setzten ihren Siegeszug auch 2012 fort. Dank ausgiebigem Touren spielten sie sich in zahlreiche Herzen dies- und jenseits des Atlantiks. Und mit diesem neuen Album fanden sie auch verstärkt zu einem eigenen Stil – mit noch mehr Soul und einer neuen psychedelischen Note. Wer weiss, vielleicht geht meine Prophezeiung von wegen Schweizer Festivalauftritten der vier Kalifornier mit einem Jahr Verspätung doch noch in Erfüllung (Wink mit dem Zaunpfahl ans Gurtenfestival…).
    Anspieltipps: Keep On Swinging, Until The Sun Comes Up, All The Way.
  8. Parov Stelar Band: The Princess
    Der österreichische DJ und Produzent gilt als Pionier des aktuell ungemein erfolgreichen Electro-Swings. Mit diesem Doppelalbum setzte er sich die Krone des Genres auf und krönte diese Leistung mit einem rauschenden Auftritt am Gurtenfestival.
    Anspieltipps: Nobody’s Fool, The Princess, Jimmy’s Gang.
  9. Lianne La Havas: Is Your Love Big Enough?
    Die junge Sängerin aus London wurde von der BBC zu Recht auf deren «Sound of 2012»-Liste geführt. Ihr Debutalbum mit soulig-folkigen Songs hat auch mich auf Anhieb überzeugt. Eine wunderschöne Stimme, tolles Songwriting, in angenehm zurückhaltender Art vorgetragen. Hier deutet viel auf den Beginn einer aufregenden Affaire hin.
    Anspieltipps: No Room For Doubt, Lost & Found, Au Cinéma.
  10. Frank Ocean: channel ORANGE
    Keiner liess im vergangenen Jahr die Bässe schöner wummern, keiner spielte geschickter mit verschiedenen Stilen: Hip Hop, R&B, (Future-) Funk, eine Prise Trip Hop und natürlich viel Soul verschmelzen hier zum einem neuartigen Ganzen. Stimmlich gesegnet mit der Wärme von Stevie Wonder und der Zerbrechlichkeit von Marvin Gaye darf man Frank Ocean vielleicht gar als den Prince unserer Tage bezeichnen. Und gespannt sein, was da noch folgen mag.
    Anspieltipps: Super Rich Kids, Crack Rock, Lost.

Playlist mit ausgewählten Clips der Top Ten

Wer Blues und/oder Soul mag, dem seien weiter die neuen Alben von Gary Clark Jr. (Blak And Blu) und Cody ChesnuTT (Landing On A Hundred) wärmstens ans Herz gelegt.

Die grossen Comebacks im Rock – The Cult (Choice Of Weapon), Kiss (Monster), Aerosmith (Music From Another Dimension!) und Soundgarden (King Animal) – fielen zwar allesamt solide, aber (leider) auch ohne grosse Überraschungen aus. Am Ersten wussten mich noch Soundgarden zu überzeugen, für die Top Ten reichte es angesichts der grossen Konkurrenz aber keinem dieser Dinosaurier.

Und da war da noch dieser Sixto Rodriguez. Der hatte zwischen 1970 und 1972 zwei mässig erfolgreiche Alben eingespielt und war seither verschollen. Dank dem Dokufilm «Searching For Sugar Man» lassen sich heute seine wunderbaren Folksongs wiederentdecken.

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1 Comment

  • Reply jj

    Hey Säna,
    danke für die neuen Tipps wie Vintage Trouble, Chromatics und D-A-D (geiles Video). Nach den zwei überragenden Konzerten wären Baroness beim mir auf dem Treppchen und die Sophie ganz sicher in den Top Ten gelandet. Und dann natürlich Graveyard im Mascotte!

    jj’s Top Ten 2012:

    1. And They Will Know Us By The Trail Of Dead – Lost Songs

    „Conrad, altern ist doch scheisse.“ “Stimmt, aber man kann das auch in Würde tun.“ “Echt?“ „Ja, echt, ausserdem solange wir mit dieser überschäumenden, wild sprudelnden Energie, zwei Schlagzeugern und so vielen guten Songs durch die Welt tingeln sind wir nicht alt.“ „ Meinst du?“ „Ja, und jetzt halt die Klappe und gib mir die Flasche Whisky rüber.“

    2. Deftones – Koi No Yokan

    „Chino, altern ist doch scheisse.“ „Stimmt, aber man kann das auch in Würde tun.“ „Ach komm!“ „Hör mal, das ist jetzt unser siebtes Album, geht ab wie Sau, ein Wahnsinns-Riff nach dem andern, kein Hänger, eine Produktion zum Niederknien, manche sagen, wir sind so gut wie auf White Pony“. „Wenn du’s sagst.“ „Ja, und jetzt halt die Klappe und dreh mal nen Joint.“

    3. Crippled Black Phoenix – (Mankind) The Crafty Ape

    „Mister Gilmour, nehme ich an?“ „Verpiss dich, ich heisse Justin Greaves.“ „Aber ihre Art Gitarre zu spielen, die Songs zu arrangieren, die ganze Konzeption ihres Doppelalbums erinnert doch sehr stark…“ „Hey, hast du in den letzten Jahren auch nur eine Prog-Band gehört, die so viele Ideen in geniale Songs packt und ein Konzeptalbum rausbringt, das diesen Namen auch verdient?“ „Nein.“ „Na, also“.

    4. Propagandhi – Failed States

    „Warum sind wir eigentlich so politisch?“ „Weil’s mir in den Kram passt und mich ausser Eishockey und Politik nichts interessiert und ich kann ja schlecht über Eishockey singen.“ „Aber wer will denn heute noch politischen Punk hören?“ „Erstens ist mir das egal und zweitens hat unser Album sehr viele Metal-Einflüsse und geht voll drauflos!“ „Stimmt.“ „Eben.“

    5. Torche – Harmonicraft

    „Warum sind unsere Songs so kurz?“ „Weil du in 3-Minuten-Songs wunderbar auf den Punkt kommen kannst und unsere knackigen Metal-Riffs so am besten zur Geltung kommen.“ „Aber für eine Metal-Band…“ „Hör mal, als schwuler Sänger dürfte ich in dem Genre gar nicht existieren, wir sind also sozusagen die Speerspitze einer neuen Generation von Bands im modernen Metal.“ „Wow.“

    6. Motorpsycho and Stale Storlokken – The Death Defying Unicorn

    „Sind wir jetzt eine Jazzband?“ „Blödsinn, wir haben nur das Beste aus Jazz, Rock und Klassik auf unsere unnachahmliche Art zusammengemixt und ein Konzeptalbum der Sonderklasse geschaffen.“ „Eventuell etwas anspruchsvoll für die Leute da draussen.“ „Als ob uns das jemals interessiert hätte.“ „Musste es denn gerade ein ganzes Jazz Orchester sein?“ „Und ob!“

    7. Holy Mountain – Earth Measures

    „Mach mal den Gitarren-Amp lauter.“ „So?“ „Noch lauter!“ „Und jetzt?“ „Jetzt brettern wir los wie die Feuerwehr und reissen zu dritt mit Gitarre, Bass und Schlagzeug hier alles nieder.“ „Soll ich singen?“ „Ja, aber nur wo unbedingt nötig.“ „Und was soll das dann sein?“ „Was wohl, Rock halt, Stoner Rock, um genau zu sein“ „Hör mir auf, ich bin schon so genug stoned!“

    8. Wintersleep – Hello Hum

    „Warum kennt uns in Europa eigentlich kein Schwein, Paul?“ „Marketing?“ „Mit unserem leichtfüssigen, schwebenden Indierock, den umwerfenden Melodien und deiner einmaligen Stimme, die müssten uns doch lieben“ „Wir sind eine kleine Indieband aus Kanada, was erwartest du?“ „Die Weltherrschaft?“ „Ach, scheiss drauf.“

    9. King’s Daughters and Sons – If Then Not When

    „Die nennen uns Postrock-Band“ „Ach, die wissen einfach nicht, in welche Schublade sie unsere wunderschönen, melanchonischen und bewusst langsam gespielten Songs stecken sollen.“ „Ich sehe uns eher als Folk-Band.“ „Ist doch egal, was wir sind, Hauptsache, du kannst zu unserer Scheibe in aller Ruhe einen Single Malt trinken und die Welt neu erfinden.“ „Hätt’s nicht schöner sagen können.“

    10. Soundgarden – King Animal

    „Chris, es gibt Leute, die sagen, wir hätten’s nur für’s Geld getan.“ „Die verstehen nichts von guter Musik.“ „Meinst du?“ „Hey, wenn du nach sechzehn Jahren ein solches Comeback-Album mit so vielen geilen Songs und einer Gesangsleistung, die ihresgleichen sucht, ablieferst, hast du’s doch nicht für den Mammon getan.“ „Die Kohle ist aber trotzdem nicht zu verachten“ „Absolut.“

    3. Februar 2013 at 16:33
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